Kontext spielt in unserem Alltag eine große Rolle – oft, ohne dass wir es bewusst wahrnehmen. Ein einfaches Beispiel: Du gehst an deiner Lieblingsbäckerei vorbei und weil du dort immer gute süße Teilchen bekommst, holst du dir jeden Morgen eines für den Nachmittag – auch wenn du eigentlich weniger Süßes essen wolltest. Oder andersherum: Sobald du das Fitnessstudio betrittst, ist deine Bewegungsunlust wie verflogen, weil dieser Ort für dich mit Sport verbunden ist.
Ähnliche Prinzipien gelten auch in der digitalen Welt, selbst wenn es dort nicht unbedingt einen physischen „Ort“ gibt. Die Wahl deiner Hardware und Software beeinflusst dein Verhalten und deine Konzentration. In diesem Beitrag gebe ich dir einige Gedanken zur Nutzung bestimmter Programme oder Hardware für bestimmte Kontexte, damit du noch besser gerüstet bist, deine Aufgaben zu erledigen oder digitale Inhalte zu konsumieren, ohne dass es überhand nimmt.
Der Einfluss deiner Geräten auf deinen Kontext
Jedes Gerät oder jede Software, die du nutzt, schafft automatisch einen bestimmten Kontext für dein Gehirn. Wenn du deinen Arbeitslaptop aufklappst, stimmt dich das meist bereits auf Arbeit ein – es sei denn, du nutzt ihn auch für private Unterhaltung wie das Schauen von Katzenvideos. In diesem Fall verschwimmt die Nutzungsabsicht, und dein Gehirn kann keinen festen Kontext abspeichern.
Daher solltest du, wenn möglich (und meist ist eine extensive private Nutzung ohnehin von deinem Arbeitgeber ausgeschlossen), wirklich nur arbeitsbezogene Themen mit deinen Arbeitsgeräten bearbeiten. So verhinderst du nicht nur, dass du in Versuchung gerätst, lizenzierte Software deines Arbeitgebers privat zu nutzen, sondern auch, dass dein Gehirn wertvolle Kapazität („RAM“) an Arbeitsinhalte verschwendet, wenn du eigentlich Freizeit hast.

Auch für deine Freizeit empfehle ich, ein eigenes Gerät zu nutzen – beispielsweise eher ein Tablet als einen vollständigen Laptop. Dadurch kommst du seltener in Versuchung, während deiner „Arbeitszeit“ – sei es für deinen Job oder für private produktive Aufgaben – in Videos oder Social Media zu versinken.
Klare Trennung des Kontexts durch physische Umgebung
Falls dein Budget keine verschiedenen Geräte erlaubt, kannst du trotzdem einen Wechsel des Kontexts durch Wechsel deiner Umgebung schaffen. Ein einfacher Trick ist, verschiedene Orte für unterschiedliche Tätigkeiten festzulegen, z.B.:
– Schreibtisch = Arbeitsbereich
– Sofa = Entspannung und Unterhaltung
So trainierst du dein Gehirn darauf, bestimmte Tätigkeiten mit bestimmten Orten zu verknüpfen. Mit der Zeit wirst du feststellen, dass es dir viel leichter fällt, konzentriert zu bleiben und Ablenkungen zu vermeiden.
Umgang mit dem Smartphone: Bewusste Regeln setzen
Das Smartphone stellt eine besondere Herausforderung dar, da es für viele ein ständiger Begleiter ist und fast überall genutzt wird – sogar im Bett oder auf der Toilette. Doch genau hier lohnt es sich, feste Regeln zu definieren:
- Kein Handy im Bett und auf der Toilette! Auch wenn du es als Wecker nutzt, kannst du es außerhalb deiner Reichweite im Schlafzimmer platzieren.
- Fester Platz für dein Handy zuhause. So gewöhnst du dir an, dein Handy gezielt zu nutzen, statt es gedankenlos in die Hand zu nehmen.
- Unterwegs nicht immer sofort griffbereit: Statt dein Smartphone ständig in der Hand zu halten, kannst du es in deiner Tasche oder im Rucksack verstauen. Falls du es doch brauchst, kannst du es bewusst herausholen – aber die zusätzliche Mühe hilft dir, unbewusstes Scrollen zu reduzieren.
Ein effektiver Trick ist auch, dein Handy beim Erledigen von Hausarbeiten oder anderen Aufgaben an einem festen Ort zu lassen und stattdessen über Bluetooth-Kopfhörer Musik oder Podcasts zu hören. So bleibst du erreichbar, aber reduzierst die Ablenkung durch den Bildschirm.
Ein guter Kompromiss für unterwegs, beim Spazieren oder Sport ist eine Smartwatch mit SIM-Funktion. Damit bleibst du erreichbar und hast Zugriff auf Karten- oder Musikdienste, während das Scrollen durch Social Media oder das ständige Checken von E-Mails umständlicher wird. Dadurch kannst du dich viel besser auf deine Umgebung und deine eigentlichen Aufgaben konzentrieren.

Diese Tipps mögen sich zunächst radikal anfühlen – schließlich sind viele Menschen daran gewöhnt, ihr Smartphone jederzeit griffbereit zu haben. Doch wenn du bewusster mit digitalen Geräten umgehst und klare Kontexte für ihre Nutzung schaffst, kannst du deine mentale Kapazität („RAM“) entlasten und deine Lebensqualität spürbar steigern. Vielleicht kannst du auch ausprobieren, dein Handy bei bestimmten Erledigungen außer Haus ganz zu Hause zu lassen oder es zumindest schwerer zugänglich zu machen, indem du es im Rucksack verstaust. So vermeidest du, dass du es ständig zur Hand hast.
Probiere es aus und finde heraus, welche Strategien für dich am besten funktionieren!
Checkliste
- Achte darauf, wie digitaler Kontext dein Verhalten beeinflusst.
- Weise jedem Gerät eine klare Aufgabe zu, um Ablenkung zu vermeiden.
- Trenne Arbeit und Freizeit durch unterschiedliche Geräte oder feste Nutzungsorte.
- Lege feste Regeln für die Nutzung deines Smartphones fest, z. B. keine Nutzung im Bett oder auf der Toilette.
- Lass dein Handy öfter zuhause und verwende ggf. unterwegs eine Smartwatch, um erreichbar zu bleiben.