In meinem letzten Blogpost habe ich darüber gesprochen, wie du durch konsistente Nutzung der gleichen Oberflächen und Devices für bestimmte Aufgaben deine Produktivität steigern kannst: Wie du digitalen Kontext nutzen kannst, um Ablenkung zu reduzieren Heute möchte ich auf ein verwandtes, aber oft unterschätztes Thema eingehen: Die Wahl zwischen einer mobilen App und der Weboberfläche eines Dienstes.
Viele Anbieter stellen sowohl eine mobile App als auch eine Web-Version ihrer Services bereit. Doch es kann einen gewaltigen Unterschied machen, welche Variante du nutzt – sowohl in Bezug auf Funktionalität als auch auf Datenschutz und Sicherheit.
Wenn ich hier von „Apps“ spreche, meine ich mobile Apps für Smartphones und Tablets – nicht Desktop-Apps für PC oder Laptop. Mobile Apps können auf spezifische APIs (Schnittstellen) deines Geräts zugreifen, was sie für Unternehmen besonders interessant macht, da sie damit mehr über dich erfahren können, als dir vielleicht lieb ist.
Auf welche Geräte APIs können mobile Apps zugreifen?
Hier sind einige Beispiele für APIs, auf die eine mobile App Zugriff haben kann:
API | Beschreibung | Datenschutzrisiko |
---|---|---|
Kamera-API | Zugriff auf Kamera für Fotos und Videos. | Hohes Risiko (Gesichtsaufnahmen, private Inhalte) |
Mikrofon-API | Aufnahme von Umgebungsgeräuschen oder Gesprächen. | Hohes Risiko (Mithören von Gesprächen) |
Standort-API | Erfassung des Standorts in Echtzeit. | Hohes Risiko (Bewegungsprofile, Tracking) |
Bewegungs- & Orientierungs-API | Erkennung von Bewegungen und Orientierung. | Mittleres Risiko (Analyse von Bewegungsmustern, potenzielles Tracking) |
Bluetooth-API | Verbindung mit Geräten in der Nähe. | Mittleres Risiko (Geräteerkennung, Standortermittlung über Beacons) |
NFC-API | NFC-Tags lesen oder schreiben. | Mittleres Risiko (Kontaktloses Bezahlen, Ticketing) |
Akku-API | Status des Akkus abrufen. | Geringes Risiko (Profiling möglich, aber begrenzt) |
Speicher-API | Zugriff auf lokalen Speicher. | Hohes Risiko (Dateizugriff, Datenverlust möglich) |
Zwischenablage-API | Zugriff auf die Zwischenablage. | Hohes Risiko (Passwörter, sensible Daten) |
Biometrie-API | Fingerabdruck-, Gesichtserkennung oder Iris-Scan. | Hohes Risiko (Biometrische Daten sind einzigartig und nicht ersetzbar) |
UWB-API (Ultra-Wideband) | Erkennt nahegelegene Objekte mit hoher Präzision (z. B. AirTags). | Hohes Risiko (Kann für verstecktes Tracking genutzt werden) |
Warum ist das problematisch?
Einige Apps – insbesondere solche mit Zugriff auf Kamera, Mikrofon oder GPS – können sensible Informationen preisgeben. Doch auch ohne direkte Erlaubnis lassen sich durch die Kombination verschiedener Sensoren, wie Magnetometer, Barometer, WLAN- und Bluetooth-APIs, Geräte identifizieren oder sogar Standorte ermitteln. Viele kostenlose Apps verdienen zudem Geld, indem sie Nutzerprofile erstellen und diese an Werbeunternehmen oder große Plattformen wie Facebook oder Google verkaufen.

Das iOS-Betriebssystem bietet durch gezielte Sicherheitseinstellungen pro App besseren Schutz vor ungewolltem Zugriff auf kritische Gerätefunktionen. Android zieht in Sachen Datenschutz zwar nach, doch je nach OS Version kann es schwierig sein, genau nachzuvollziehen, welche App welche Berechtigungen nutzt. Zwar lässt sich der Zugriff jeder App manuell einschränken, doch das ist oft zeitaufwendig und je nach Betriebssystem umständlich.
Die Strategie: Nutze so wenige mobile Apps wie möglich!
Eine einfache, aber vielleicht initial radikal klingende Regel: Nutze nur mobile Apps, wenn es unbedingt nötig ist. Viele Dienste lassen sich auch über den Webbrowser nutzen – das ist nicht nur sicherer, sondern spart dir auch Zeit beim Verwalten der App-Berechtigungen. Zwar können auch Browser auf Geräte APIs zugreifen, allerdings in viel geringerem Ausmaß und in viel kürzeren Intervallen (oft nur während einer aktiven Browser Session).
Vorteile der Web-Version gegenüber der App
Wenn du bewusst entscheidest, wann du eine App und wann du lieber die Web-Version nutzt, kannst du deine Sicherheit und Produktivität deutlich verbessern. Reduziere die Anzahl der Apps auf deinem Smartphone auf das Nötigste und nutze für alle anderen Dienste lieber den Browser. Damit schützt du nicht nur deine Privatsphäre, sondern machst es dir auch schwerer, unnötige Ablenkungen abzudriften.

Hier noch einmal die Vorteile von Webapps gegenüber mobilen Apps auf einen Blick:
- Zentrale Kontrolle: Du musst nur die Sicherheitseinstellungen deines Browsers anpassen, nicht die jeder einzelnen App.
- Weniger Tracking: Mobile Apps sammeln deutlich mehr Daten als Web-Apps.
- Weniger Ablenkung: Es ist bequemer, eine App zu öffnen als eine Webseite. Dadurch wirst du weniger verführt, bestimmte Dienste ständig zu nutzen.
- Einfachere Verwaltung: Keine separaten Updates oder Berechtigungen auf Geräte APIs nötig.
Natürlich solltest du auch beim Browsen vorsichtig sein. Lösche daher regelmäßig deine Cookies oder stelle deinen Browser so ein, dass dies automatisch geschieht.
Checkliste
- Behalte nur die wichtigsten Apps auf deinem Smartphone: Messenger, Telefon, Kontakte, Fotos, Navigation und Browser.
- Alle anderen Apps entweder löschen oder zumindest vom Startbildschirm entfernen (was dich jedoch nicht vor unerlaubtem Zugriff auf Geräte APIs schützt)
- Falls du einen bestimmten Dienst täglich über drei Wochen hinweg intensiv nutzt, kannst du überlegen, ihn als App zu installieren – Social-Media-Apps sind dabei ausgeschlossen, da es die größten Zeit- und Datenfresser sind
- Und sofern du die vom Startbildschirm entfernten Apps nicht regelmäßig nutzt, dann solltest du diese auch löschen