Kategorien
Datenschutz

Smart TV – Smarte Idee?

In der Weihnachtszeit gehen viele von uns auf die Suche nach neuer Elektronik. Und auf vielen Wunschlisten findet sich Jahr für Jahr derselbe Punkt: ein Upgrade des guten alten Fernsehers. Größerer Bildschirm, bessere Auflösung und natürlich smarte Funktionen.

Aber ist ein Smart TV tatsächlich eine smarte Idee?

In diesem blogpost möchte ich erklären, warum Smart TVs aus Sicht von Datensicherheit und Privatsphäre keine besonders gute Idee sind – und warum du dir dessen bewusst sein solltest, egal ob du planst, einen zu kaufen oder bereits einen Smart TV besitzt.

Was macht einen Smart TV eigentlich „smart“?

Im Kern ist ein Smart TV im Grunde nichts anderes als ein Bildschirm, auf den eine Software-Ebene aufgesetzt wurde. Verglichen mit einem normalen Monitor, den man sich zum Beispiel für das Homeoffice kauft, ist die verbaute Hardware in einem Fernseher oft sehr ähnlich.

Hier kommt der interessante Teil:
Ein Fernseher mit vergleichbaren Hardware-Spezifikationen kostet in der Regel deutlich weniger als ein „normaler“ Monitor oder ein Panel, das du ausschließlich als Display für Laptop, PC oder Streaming-Geräte nutzen würdest. (Ein lesenswerter Artikel zu diesem Thema:https://www.slashgear.com/1844291/why-tvs-cheaper-than-monitors-explained)

Warum ist das so?

Der wahre Preis: Du bezahlst mit deinen Daten

Die Antwort ist einfach: Du bezahlst den Preisnachlass mit deinen Daten.

Viele Smart TVs sammeln aktiv Daten darüber, was du anschaust. Dazu können Audioausschnitte und sogenannte Content-Fingerprints gehören, mit denen detaillierte Nutzerprofile erstellt werden. Diese Profile sind extrem wertvoll und werden häufig an Werbeunternehmen verkauft, um gezielte Werbung auszuspielen – zum Beispiel auf Plattformen wie YouTube.

Einen tieferen Einblick darin, welche Daten Smart TVs tatsächlich sammeln, findest du hier:
https://www.howtogeek.com/its-not-just-streaming-content-your-smart-tv-collects-data-on-everything

Diese Datensammlung ist einer der Hauptgründe dafür, warum Smart TVs günstiger sind als vergleichbare Hardware ohne smarte Funktionen.

Foto von Jonas Leupe auf Unsplash

Es ist schlimmer als nur Streaming-Apps

Leider beschränkt sich diese Überwachungsfunktion nicht auf Streaming-Apps oder Dienste, bei denen du eingeloggt bist.

Man könnte annehmen, dass das Tracking nur innerhalb von Netflix, YouTube oder anderen Apps stattfindet – und nur deshalb, weil man deren Nutzungsbedingungen zugestimmt hat. Leider ist das nicht die ganze Wahrheit.

Smart TVs können deutlich mehr:

  • Sie können erkennen, welche DVDs du anschaust
  • Sie können Spiele identifizieren, die du auf einer angeschlossenen Konsole spielst
  • Sie können alles überwachen, was auf dem Bildschirm angezeigt wird – selbst wenn es nichts mit Streaming-Apps zu tun hat

Mit anderen Worten: Der Fernseher weiß nicht nur, welche App du nutzt – er kann erkennen, welche Inhalte auf dem Bildschirm zu sehen sind.

Was tun, wenn du bereits einen Smart TV besitzt?

Als Erstes: Gehe die Einstellungen deines Fernsehers durch und deaktiviere alles, was verdächtig aussieht.

Zusätzlich ist es sehr empfehlenswert, zu recherchieren, wie man ACR (Automatic Content Recognition) deaktiviert. ACR ist die Technologie, die die meisten Smart-TV-Hersteller nutzen, um zu erkennen und zu verfolgen, was du anschaust. Eine kurze Internetsuche nach deinem TV-Modell und „disable ACR“ hilft in der Regel weiter.

Eine weitere Möglichkeit ist, den Smart TV komplett vom Internet zu trennen. Ja, das ist unpraktisch. Und ja, man kann trotzdem nicht zu 100 Prozent sicher sein, ob der Fernseher Daten lokal speichert und sie später hochlädt, sobald er wieder verbunden ist. Deshalb ist der sicherere Ansatz, den Fernseher dauerhaft offline zu lassen und Streaming extern zu erledigen.

Anstatt die integrierten Smart-TV-Apps zu nutzen, kannst du für Streaming einen Open-Source-Mediaplayer wie Kodi verwenden. Hier ist eine Anleitung zur Installation von Kodi auf einem Smart TV:
https://kodi.expert/kodi-news/installing-kodi-on-your-smart-tv-a-2025-guide/

Auf diese Weise wird dein Fernseher wieder „dumm“ – und das ist in diesem Fall etwas Gutes.

Foto von Ajeet Mestry auf Unsplash

Die sicherste Option: Kaufe ein „dummes“ Panel

Wenn du auf Nummer sicher gehen möchtest, solltest du den Kauf eines sogenannten „dummen“ Fernsehers oder Panels in Betracht ziehen – also eines Displays ohne jegliche Smart-Funktionen.Ja, das ist in der Regel teurer, wenn du eine vergleichbare Hardware-Qualität möchtest.
Aber die Kombination aus einem nicht-smarten Panel und einem Open-Source-Mediaplayer ist aus Sicht von Privatsphäre und Datensicherheit eines der besten Setups, die man haben kann.

Smart TVs mögen wie ein Schnäppchen wirken, aber die tatsächlichen Kosten sind oft unsichtbar.

Wenn dir deine Privatsphäre wichtig ist, ist Bewusstsein entscheidend – und manchmal ist weniger „smart“ tatsächlich die deutlich klügere Option.

Checkliste

  • Überprüfe die Einstellungen deines Fernsehers und deaktiviere sämtliches Tracking, Werbung und Personalisierungsoptionen.
  • Suche online nach deinem TV-Modell und deaktiviere Automatic Content Recognition (ACR).
  • Trenne deinen Smart TV vom Internet und halte ihn, wenn möglich, offline.
  • Nutze einen externen Open-Source-Mediaplayer (z. B. Kodi) anstelle der integrierten TV-Apps.
  • Ziehe für dein nächstes TV-Upgrade den Kauf eines nicht-smarten („dummen“) Panels in Betracht, wenn dir Privatsphäre wichtig ist.